Menorca, eine Insel, deren Landschaft maßgeblich die Speisekarte bestimmt, ist ein Schmelztiegel kulinarischer Welten. Hier verschmelzen Freigeister, Visionäre und leidenschaftliche Gastgeber globale Einflüsse mit tief verwurzelten menorquinischen Traditionen. Das Ergebnis ist eine vielfältige Gastroszene, die von historischen Hafenbars bis zu versteckten Fincas im Hinterland reicht. Frischer Hummer direkt vom Boot, kreative vegetarische Konzepte und sogar mexikanisches Streetfood mit lokalen Zutaten prägen das Bild. Die hier vorgestellten zwölf Adressen repräsentieren diese Handwerkskunst und Hingabe, die sie diesen Sommer so begehrt machen.
Eines dieser Juwelen ist das "Pez Limón", das sich von einem Geheimtipp zu einem der meistdiskutierten Restaurants Menorcas entwickelt hat. Die Köche Héctor und Elena aus Alicante kreieren hier aus lokalen Produkten scheinbar einfache Gerichte mit einem besonderen Pfiff. Ihre Speisekarte wird jährlich neu gestaltet, wobei Klassiker wie die Kroketten „La Chon“ und die Avocado-Cannelloni stets erhalten bleiben. Dieses Jahr kehren sie geschmacklich zu ihren Wurzeln in Alicante zurück, mit einer Neuinterpretation der Coca amb Tonyina und einem erweiterten Weinkeller mit über 120 mediterranen Flaschen. Frühzeitige Reservierungen sind dringend empfohlen.
Das "Coral Menorca" nahe Ciutadella, direkt am Felsentor Pont d’en Gil gelegen, ist ein Ort der Entschleunigung. Küchenchef Federico Giomi nutzt die Wintermonate, um in seiner Küche zu experimentieren und neue Gerichte zu entwickeln, die dann im Sommer auf der Speisekarte erscheinen. Gemeinsam mit Cris und Flor verbindet er italienische und argentinische Einflüsse mit den Aromen der Insel. Lokales Vermella-Rind, menorquinischer Hummer und das alte Getreide Xeixa spielen dabei die Hauptrollen, ergänzt durch hausgemachtes Pökelfleisch, frische Salate und Fisch des Tages. Die im Juni eröffnende Terrasse „Aperitivo & Sunset“ lädt zu langen Abenden mit Meerblick und exzellenten Cocktails ein.
Die bekannten Langusten-Ravioli der Insel findet man nun im "Smoix", das von Küchenchef Miquel Sánchez in das Landhotel Sant Ignasi verlegt wurde. Diese neue Umgebung bietet mehr Raum und eine engere Verbindung zur Natur Menorcas. Trotz des Umzugs bleiben die Langusten-Ravioli ein Markenzeichen und eine feste Größe in der menorquinischen Gastronomie. Sánchez entwickelt seine Küche stetig weiter, kombiniert bewährte Klassiker mit saisonalen Innovationen wie Kirsch-Rote-Bete-Gazpacho oder knusprigem Spanferkel mit eingelegter Zitrone.
In Ciutadella hat sich "Estim" etabliert, wo Küchenchef José Juan Pla französische, baskische und asiatische Einflüsse auf die Plaça des Pins bringt. Seit der Eröffnung im Sommer 2025 verleiht das Restaurant der Gastronomieszene frischen Wind. Das bewusst schlicht gehaltene Ambiente schafft den idealen Rahmen für eine präzise Küche, die die Produkte sprechen lässt. Die Speisekarte umfasst Gerichte wie Langustinen-Kroketten, gefüllte Ravioli mit Sobrasada und Käse, Seebarsch und eine besonders empfehlenswerte Paella mit Kotelett und Piquillo-Paprika.
Am Kai von Es Castell, wo die Sonne zuerst aufgeht, startet das "Pintarroja" in seine vierte Saison. Direkt am Ufer gelegen, bietet es einen einzigartigen Blick auf die Boote und das Morgenlicht. Abel Hernández bringt gemeinsam mit Küchenchef Eugeni de Diego frische Impulse in das Konzept ein, das stark vom Austausch mit lokalen Fischer:innen und Produzent:innen geprägt ist. Neben neuen Kreationen finden sich auf der Karte auch Klassiker wie der Bikini-Toast mit Sobrasada und Honig, Miesmuscheln mit Sobrasada oder Riesengarnelen mit Patatas a lo pobre. Zahlreiche Gerichte zum Teilen wie Garnelen-Salpicón und Thunfisch-Tatar runden das Angebot ab.
Für Liebhaber der menorquinischen Sandwich-Kultur ist die "Bar Imperi" in Ciutadella ein Muss. Hier gibt es die berühmten Llonguets, kleine, traditionelle Brötchen, die mit allem gefüllt werden, was Menorca kulinarisch auszeichnet: Sobrasada, Honig, Käse oder würzige Longaniza de Payés. Die Llonguets passen zu jeder Tageszeit und sind fest im Alltag der Einheimischen verankert. Dazu gehört traditionell eine eiskalte Pomada, ein Mixgetränk aus Xoriguer Gin und Zitronenlimonade.
Küchenchef José María Borrás prägt seit 2025 die Hotelgastronomie der Annua Signature Hotels auf Menorca. Mit seinem Gourmetrestaurant "Aquiara" wurde er bereits im Februar 2026 mit einem „Sol Repsol“ ausgezeichnet. Im Aquiara ist Menorca der rote Faden: Borrás kocht konsequent mit lokalen Produkten und übersetzt sie in eine moderne Küche. Ein feines Degustationsmenü für 130 Euro, auf Wunsch mit passender Weinbegleitung, steht im Mittelpunkt. Seine kulinarische Linie findet sich auch in den anderen Häusern der Gruppe wieder, etwa im Bistro L’Espiell im Hotel Morvedra Nou mit französischen Einflüssen oder im Restaurant El Olivar im Hotel Amagatay unter der Leitung von Laura Palaiakis.
Das "Café Balear" im Hafen von Ciutadella ist seit den Siebzigerjahren eine Institution für erstklassige Meeresfrüchte und Fischgerichte. Das Erfolgsgeheimnis liegt in der maximalen Frische, denn die Schätze des Meeres werden täglich mit dem hauseigenen Boot Rosa Santa Primera angelandet. Thunfisch-Carpaccio, rohe Venusmuscheln, gegrillte Jakobsmuscheln und Seeanemonen sind nur einige der Köstlichkeiten. Aufgrund seiner Beliebtheit wurde dieses Jahr eine zweite Adresse eröffnet: "La Terraza del Balear" im Hotel Villa Le Blanc, das ein moderneres, eleganteres Ambiente bietet, aber die gleiche hohe Qualität an Fisch und Meeresfrüchten garantiert.
Im "Torralbenc Hotel" steht die Küche im Mittelpunkt. Obwohl das Hotel für seinen Weinkeller und die Aussicht bekannt ist, zieht das Abendessen die volle Aufmerksamkeit auf sich. Gorka Txapartegi arbeitet mit frischen Zutaten, die direkt aus dem eigenen Gemüsegarten, der Olivenölproduktion und den umliegenden Höfen stammen. Kreationen wie in Zitrusfrüchten gebeizter Wolfsbarsch, Hummer-Salpicón und Lammschulter mit frischem Thymian werden oft auf dem Eisengrill zubereitet. Die grüne Terrasse und ein Glas Wein aus dem preisgekrönten Keller machen das Abendessen zu einem unvergesslichen Erlebnis, weshalb frühzeitige Reservierungen ratsam sind.
Daniel Molero, seine Partnerin Patricia und Rubén haben mit "Bar Augustin" und "Candela" zwei Lokale geschaffen, die auf Menorca viel Gesprächsstoff bieten. Das Augustin, Ende 2022 eröffnet, ist lebhafter und lädt zu Naturwein, Cocktails und kleinen Köstlichkeiten ein. Das Candela, wenige Monate später gefolgt, ist ruhiger und bistrohafter, mit einer ständig wechselnden Speisekarte, die auf frischen Marktprodukten basiert. Beide teilen sich die Tapas-Karte mit menorquinischen Raoles, Piparras-Peperoni im Tempurateig und cremiger Ensaladilla.
„El Mezquite“ beginnt alles mit der Tortilla. Luis bereitet sie täglich frisch nach einem streng gehüteten Familienrezept aus seiner Heimat Mexicali in Baja California zu. Die Tortilla ist die solide Basis für den berühmten Mexicali-Taco, dessen Beläge regelmäßig wechseln, von Innereien bis Wagyu-Rind. Ursprünglich im Juni 2023 als kleiner Stand auf dem Markt El Claustro in Mahón gestartet, zog El Mezquite ein Jahr später in größere Räumlichkeiten um. Neben Tacos sind Ceviches und scharf-frische Aguachiles absolute Favoriten, die perfekt mit einer gut gewürzten Margarita oder dem hauseigenen Craft-Bier Chicali harmonieren.
Die kulinarische Reise durch Menorca wird abgerundet durch „Brisa“ und „Mesura“. Im Brisa im Landgut Son Ermità spiegelt sich die französische Besatzungszeit des 18. Jahrhunderts wider, die bis heute Spuren in der lokalen Küche hinterlassen hat. Direkt daneben, im Schwesterhotel Binidufà, feiert Mesura die Natur mit einer bewusst vegetarischen Küche, die auf Gemüse, Urgetreide und frischen Kräutern von den umliegenden Höfen basiert. Küchenchef Joan Bagur, verantwortlich für die kulinarische Handschrift beider Häuser, ermöglicht auf Wunsch auch die Ergänzung vegetarischer Gerichte mit Fleisch oder fangfrischem Fisch des Tages. Mit der Eröffnung des Binidufà im Jahr 2026 ist dieses Hotelprojekt im unberührten Norden Menorcas nun komplett und bietet ein einzigartiges kulinarisches Erlebnis.